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Wie meine Bilder entstehen Drucken E-Mail

Die KunstEs gibt für mich zwei Wege, ein Bild zu entwerfen. Bei der ersten Vorgehensweise, meiner Art, spontan zu malen, lasse ich mich überwiegend durch die Farben leiten. Durch Farbperspektiven und Rhythmik soll sich das Bild während des Malvorganges entwickeln. Bilder, bei denen ich eine bestimmte Stimmung festhalten oder für mich erzeugen möchte, male ich häufig in dieser Art. Diese Variante bevorzuge ich in der kalten Jahreszeit, wenn die Natur draußen grau und farblos ist. Da dieses Malen überwiegend abends, unter Kunstlicht stattfindet, muß ich bei der Farbwahl des Bildes bestimmte Regeln beachten.

Einige Farben, z.B. Blautöne, sieht das menschliche Auge bei Kunstlicht nicht so intensiv wie bei Tageslicht. Es kann dadurch vorkommen, daß ich Bildbereiche bei der Tageslichtbetrachtung wieder verändern oder dämpfen muß, um die gewünschte, auf mich angenehm wirkende Farbkomposition zu erhalten. Bei dieser Malweise ist es für mich normal, daß meine Stimmung mehrfach zwischen Euphorien und gleich trete ich das Bild in die Tonne wechselt.

Gerade das macht dieses Malen so spannend. Weniger ist mehr, ist, was ich hierbei keinesfalls aus den Augen verliere. Sobald ich bei dieser Malart meine, immer und immer noch etwas verbessern zu können, erreiche ich nach meinen bisherigen Erfahrungen, kaum ein für mich positives, akzeptables Resultat. Gegenständliche Maler bestätigten mir, man könnte eigentlich ewig an einem Bild malen. Den richtigen Augenblick jedoch zu finden, wann man aufhören sollte, das ist der Punkt.Bei dem zweiten Weg setze ich mir Themen und plane das Bild äußerst genau vor. Ein Abdriften durch meine Stimmung oder durch die Farben kommt hierbei nicht vor.

Sobald ich das Thema festgelegt habe, beginne ich grobe Kompositionen auf kleinen Zetteln, sehr vereinfacht zu skizzieren. Bei jedem Zettel gehe ich von einem anderen Fluchtpunkt aus und erhalte so sehr unterschiedliche Varianten. Wenn ich die kleinen Zeichnungen dann nebeneinander lege, kann ich die für mich angenehmste Komposition herausfinden. Teilweise koloriere ich die kleinen Skizzen, um so schon einen Eindruck der Farbschwerpunkte zu erhalten. Erst wenn dieses alles abgeschlossen ist, suche ich nach Vorlagen für die Vorzeichnungen. Für einige Bilder formte ich mir hierzu Modelle aus Plastilin, andere Vorlagen fand ich in Spielzeugläden oder ich nahm einfach etwas von draußen mit, einen Ast, einen Stein, eben was ich zu meinem Thema gebrauchen konnte. Solche Hilfsmittel sind nur dazu geeignet, die Perspektiven genauer betrachten zu können und die Proportionen einzuhalten. Sie erleichtern mir einen Teil der Vorzeichnungen.

Für den Bildaufbau, die Komposition, die Farbwahl und am wichtigsten, der Ideenfindung sind sie nicht zu verwenden. Seit 2002, dem Bild „Hommage an Spitzweg" male ich mehrere Portraits in Verbindung mit Phantasiethemen. Dieses ist z.Zt. die Malerei, die mich ausfüllt und mir ganz besonderen Spaß bereitet. Obwohl die erste Variante, das freie drauflos malen, sehr spaßig sein kann, halte ich die Themenwahl und somit die Idee, in der gegenständlichen Malerei, für das wichtigste Element.

Spontane Ideen, verschiedene Eindrücke und Erlebnisse schreibe ich seit 1990 in ein Buch. Dieses Maltagebuch ist die Grundlage vieler meiner bisherigen Bilder geworden und wird es auch für zukünftige Bilder in dem Bereich „von Natur bis Phantasie" sein. Das Lernen, die Suche nach Motiven und Vorlagen, das Nachdenken, wie kann ich etwas überzeugend darstellen, macht das Malen für mich so zu einer sehr anspruchsvollen, spannenden Beschäftigung.

Wolfgang Rose September 2003

Letzte Aktualisierung ( Montag, 18 Dezember 2006 )